Hilla Hanning-Neveling

GOTT IST PÜNKTLICH ...wie aus "Affenärschen" Engel werden.

Ich habe dieses Buch geschrieben, um Verständnis und Liebe für jede Situation des täglichen Lebens zu wecken. Gerade zunächst "unangenehme" Erfahrungen mit unseren Mitmenschen zeigen für uns selbst Veränderungsmöglichkeiten zu Eigenverantwortung und Selbstliebe auf. Groll, Hass, Wut und Angst lösen sich auf und machen einem liebevollen, dankbaren Miteinander Platz.

Sie erfahren, wie Ihnen ALLES DIENT, um sich selbst annehmen und lieben zu können. Leichtigkeit, Klarheit, Offenheit, Ehrlichkeit und Vertrauen lassen Ihr privates und berufliches Leben zu einem neuen Abenteuer werden. "Gott hat Ihnen immer nur Engel geschickt", ist die Erkenntnis aus der Lektüre dieses Buches.

Viel Spaß dabei.





L E S E P R O B E

Sexueller Missbrauch am Arbeitsplatz. Gibt es den überhaupt?

Im nächsten Job DIENTE mir ein sexuell bedrängender Kollege. Ich war nicht in der Lage, Angriffe, die sprachlich unter die Gürtellinie gingen, zu parieren. Einerseits mochte ich den Kollegen, fühlte mich, ehrlicherweise, zu ihm hingezogen; andererseits fühlte ich mich klein und mickrig. Aufforderungen wie: "Lassen Sie sich doch mal die Haare wachsen, ziehen Sie doch mal einen Rock an", ließen mich aufhorchen. Was spielte sich da ab? Ich unterhielt mich mit einer Freundin darüber, war hin- und hergerissen. Schließlich war ich so mutig, diesen Kollegen um ein persönliches Gespräch bei ihm zu Hause zu bitten.

"Das habe ich nicht so gemeint, und wenn ich da irgendwie anzüglich war, entschuldigen Sie das bitte. Es kommt nicht wieder vor." Schon nach kürzester Zeit setzte er sein Verhalten fort. Ich nahm mir ein Wochenende Zeit, in meiner Wohnung von einer Couch auf die andere zu gehen - persönliche Psychostunden -, um am Ende des Wochenendes zu beschließen, mich schon mal auf einen Ganztagsjob zu bewerben. Meike würde bald in die vierte Klasse kommen, es könnte ja ein Jahr dauern, bis ich eine passende Stelle fände. Sich bewerben und Vorstellungsgespräche wahrzunehmen kann auch eine gute Übung für den Selbstwert sein.

Ich bewarb mich und bekam für eine der ersten Ganztagsstellen die Zusage. Ich war glücklich. Sascha ging in die Gesamtschule; Meike mittags wieder mit zu ihrer Freundin nach Hause. Kein Problem, für das es nicht eine Lösung gäbe, wenn ich dahinterstehen kann. Ein guter Lernprozess. Heute weiß ich auch für diesen Fall: GOTT WAR PÜNKTLICH - aus dem Affenarsch wurde ein Engel. Mobbing und sexuelle Belästigung gibt es nicht wirklich! Es war eben auch hier der 50:50-Prozess - einer, der m(M)acht (ausübt), und eine, die es mit sich machen lässt! Der Kollege hat mir nicht nur meinen geschiedenen Mann, sondern auch meinen mangelnden Selbstwert und mein mangelndes Frausein gespiegelt. Heute weiß ich das ganz sicher. Damals war das alles noch sehr, sehr nebulös - ich habe ihm auf jeden Fall erst einmal die Schuld gegeben, ist doch leichter, oder? Täter(in)-Retter-Opfer - ich Arme!

Mit dieser ersten Ganztagsstelle begann ein phantastischer Wachstumsprozess. Ich nahm an den regelmäßigen Treffen des Murphy-Freundeskreises in Münster teil. Alle vier Wochen lud ich meine Batterie mit positiven Gedanken auf, in der Zwischenzeit übte ich mich in positiver Denk- und Lebensweise. Damit kam mein Umfeld, insbesondere eine Kollegin, weniger gut klar. Angriffe hagelte es regelmäßig, auch im Beisein von Kolleginnen und Vorgesetzten. In Steno schrieb ich mir positive Denkansätze auf die Schreibtischunterlage in meinem Büro. Ich übte, übte, übte, sprach mit Gleichgesinnten über meine Probleme und suchte dringend nach Lösungen. Zunächst war ich die Traumkollegin, dann hagelte es Vorwürfe. Damit kam ich überhaupt nicht klar. Ich bekam Magenschmerzen, wenn ich morgens zur Arbeit fuhr, der Spaß war verflogen.

Letztlich kam die Lösung aus dem Murphy-Kreis. Ich machte mein Problem zum Thema. Daraufhin schenkte ich meiner Kollegin ein Positiv-Denk-Buch von Norman Vincent Peale. Ich schrieb ein liebevolles Kärtchen dazu und übergab das eingepackte Geschenk mit einem gelben Leuchtstift dazu, bevor ich meinen Weihnachtsurlaub antrat. Zurück aus dem Urlaub, verlangte mein Chef einen Gesprächstermin für den nächsten Nachmittag. Ich war erstaunt, als ich den Grund für dieses Gespräch erfuhr. Er fragte mich, wieso ich "so etwas" meiner Kollegin schenke, ich hätte doch auch einfach nur eine Vase oder etwas anderes schenken können.

Wieso? Ich hatte auch von ihr im Jahr zuvor ein Positiv-Denk-Buch von Phil Bosmans geschenkt bekommen, was war an meinem Geschenk so schlimm? Wie sich herausstellte, war der Knackpunkt an der ganzen Geschichte ein anderer: Für eine Freundin hatte ich ein Pamphlet zur positiven Persönlichkeit kopiert. Als diese Kopien auf dem Beifahrersitz meines Autos gelegen und beim Fahren verrutscht waren, hatte ich sie in dem Peale-Buch "geparkt". Eine der Kopien war versehentlich darin geblieben. Das hatte meine Kollegin zum Anlass genommen, sich über mich zu beschweren. Verstehen konnte ich das nicht, ich hatte sie wohl auf dem "falschen Fuß" erwischt.

Auf jeden Fall stellte ich die Sache klar; es kam zu einem weiteren Dreiergespräch. Das Ergebnis war eigenartig, meine Kollegin fühlte sich von mir beleidigt. Schließlich bot ich an, mir eine neue Stelle suchen zu wollen, da ich spürte, dass eine weitere Zusammenarbeit schwierig sein würde. Und: Ich fand einen neuen Traumjob als Sekretärin und Kundenmanagerin, der mich sehr, sehr ausfüllte.

Auch hier wurde aus einem Dreamteam schließlich eine Quersituation, allerdings lernte ich enorm viel in diesem dynamisch wachsenden Unternehmen. Meine positive Lebenseinstellung wirkte sich immer mehr auf meine Arbeit und mein Arbeitsumfeld aus. Als ich nach über sieben Jahren schließlich kündigte, fragte mich eine meiner Kolleginnen, ob ich mich nun selbstständig machen würde - als Lebensberaterin. Interessant, nicht wahr? Ja, ich hatte schon schriftlich festgelegt, dass ich genau das werden und sein wollte. Ein Hinweis auf meine Lebensaufgabe? War GOTT PÜNKTLICH?

Ich trat eine Stelle als Geschäftsleitungssekretärin in einem männlichen Berufszweig, es ging um Autos, an. Zu Beginn der Tätigkeit nahm ich an einem Management-Seminar teil. Sehr, sehr interessant. Am ersten Tag des Seminars wurden alle Teilnehmer, hauptsächlich Firmeninhaber und Männer aus dem gehobenen Management, aufgefordert, über siebzig Seiten auszufüllen. Fragen zu Großeltern-, Eltern-, Geschwister-, Freundes- und Partnerschaftsverhältnissen wurden gestellt, zum Verhalten gegenüber Kollegen und Mitarbeitern. Einfach genial, bei all dem, mit dem ich mich bis dahin schon beschäftigt hatte. Bereits am ersten Tag war ich begeistert von der Vorgehensweise in dieser Schulung.

Auf der vorletzten Seite dieser siebzig Seiten wurde gefragt, wem ich Hass, Wut, Groll oder sonstige negative Gefühle entgegenbringen würde. Zu dem Zeitpunkt fiel mir nicht wirklich jemand ein. Auf der letzten Seite wurde ich gefragt, wem ich dankbar sei für das, was er/sie mich gelehrt hat. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen und ich spürte eine tiefe, tiefe Dankbarkeit: an erster Stelle meinem geschiedenen Mann und an zweiter Stelle meiner Schwester gegenüber. Ich formte die Erkenntnis, dass aus "Affenärschen" Engel werden.